TFA Alumnus Ingo Bergmann transformiert Bildung durch Sport
Die Suche nach dem Warum führte Ingo Bergmann über NGOs, internationale Erfahrungen und die Diplomatie ins Klassenzimmer einer Wiener Mittelschule als TFA Fellow. Heute setzt er als Projektleiter von „Life Goals - bewegt für die Zukunft lernen“ einer Initiative der NGO "Breaking Grounds" neue Maßstäbe im Bildungsbereich. Im Interview erzählt er, warum die Zeit bei Teach For Austria sein Leben verändert hat, wie Sport als Werkzeug für sozialen Wandel dient und weshalb er heute jeder Lehrkraft Mut machen will, an die eigene Lernfähigkeit zu glauben.
Ein Interview mit Ingo Bergmann

Lieber Ingo, Du warst TFA Fellow 2017. Warum hast Du Dich damals entschieden, am zweijährigen Social Leadership Programm von TFA teilzunehmen?
Ich war damals auf der Suche nach meinem "Why" und meinem "Purpose". Die Ausschreibung des Social Leadership Programms hat mich sofort angesprochen und überzeugt – die Bewerbung und der gesamte Prozess fühlten sich an, als würde ein warmes Messer durch Butter gleiten. Ich wollte Lebenswege verändern, das System transformieren und das Potenzial von Kindern und Jugendlichen entfalten.
Was genau hast Du davor gemacht?
Ich habe verschiedene berufliche Stationen durchlaufen – in der Privatwirtschaft, im internationalen Kontext und sogar versucht, eine diplomatische Laufbahn einzuschlagen. Schließlich habe ich mich jedoch dem Bereich der Menschenrechte und der Zivilgesellschaft gewidmet. Unmittelbar vor TFA war ich in NGOs tätig, insbesondere im Bereich "Sport für sozialen Wandel" und positive gesellschaftliche Veränderungen. Dafür war ich in Südafrika und Spanien unterwegs.
Zur Person
Ingo Bermann hat Wirtschaft und Euroculture studiert und in diversen NGOs gearbeitet bevor er TFA Fellow an einer Mittelschule wurde. Heute ist er Projektleiter von „Life Goals - bewegt für die Zukunft lernen“ und Co-Founder der NGO "Breaking Grounds".
"Was ich wirklich gelernt habe: den Umgang mit meinem inneren Kind, den Umgang mit anderen und den Umgang mit Herausforderungen – und davon gab es unzählige."
Du warst dann TFA-Fellow in der Mittelschule. Was waren dort Deine größten Herausforderungen und was hast Du dabei gelernt?
Eine der größten Herausforderungen war die intensive Auseinandersetzung mit mir selbst, denn die Arbeit in diesem Umfeld ist auch eine persönliche Reise. Dank meiner Trainerinnen konnte ich hier enorm viel lernen. Zudem war die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Menschen in der Schule nicht immer einfach. Während mich die Kinder oft weit über meine eigene Lernzone hinausgetragen haben, waren sie für mich nie das Problem – vielmehr war es die Herausforderung, mit den Strukturen und Denkweisen des großen Systems "Schule" umzugehen. Hier trafen teilweise sehr unterschiedliche Weltanschauungen aufeinander. Gleichzeitig habe ich viele inspirierende Persönlichkeiten kennengelernt, die seit Jahrzehnten großartige Arbeit leisten. Was ich wirklich gelernt habe: den Umgang mit meinem inneren Kind, den Umgang mit anderen und den Umgang mit Herausforderungen – und davon gab es unzählige. Von Jugendamtsmeldungen bis hin zu den Herausforderungen der Corona-Pandemie.
Worauf warst Du als Lehrkraft besonders stolz? Erzähle uns gerne Erfolgsgeschichten von Deinen Schüler:innen. Wie hatte Dein Wirken Impact?
Der Zeitungsartikel dazu würde in etwa so lauten:
"Sieg im Spiel um Bronze für die NMS aus Wien Ottakring! Das Hupsignal zum Abpfiff ertönt über dem sonnigen, heißen Platz des Bundessportzentrums in Niederösterreich, wo die ersten offiziellen Bundesmeisterschaften in Ultimate Frisbee ausgetragen werden. Gerade noch vor der Hupe fängt die 14-jährige Evra die Frisbeescheibe zum 4:4 in einem dramatischen Spiel um die Bronze-Medaille. Nun stehen sich beide Teams noch einmal mit letzten Kräften gegenüber, um den entscheidenden Punkt zu holen. Die Oberösterreicherinnen, die am Vortag noch klar mit 7:1 gewonnen hatten, sind nervös. Doch die Kinder aus Ottakring spielen entschlossen. Ein letzter präziser Pass auf Evra – und sie fängt die Scheibe zum finalen 5:4. Der Jubel kennt keine Grenzen! Als einzige Mittelschule unter den 14 teilnehmenden Schulen holen sie Bronze nach Wien."
"Durch die Erfahrungen in der Mittelschule bin ich viel mutiger geworden, weil ich das System und die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen aus erster Hand kennengelernt habe. Heute kann ich gezielt Systemveränderungen anstoßen."
Was genau machst Du jetzt beruflich?
Ich bin Projektleiter und Co-Gründer der Non-Profit-Organisation "Breaking Grounds – sozialer Wandel durch Sport". Dort arbeite ich systemisch im Bildungssystem und bringe die Life-Goals-Methode in die Werkzeugkoffer der Lehrkräfte. Ich leite Fortbildungen an Pädagogischen Hochschulen und Schulen (SCHiLFs). Gemeinsam mit meinem Team und den Lehrkräften stärken wir das Vertrauen der Kinder und Jugendlichen in ihre eigene Lernfähigkeit – mit Sport und Bewegung als Werkzeuge.
Wärst du ohne Teach For Austria denselben Weg gegangen?
Auf gar keinen Fall. Durch die Erfahrungen in der Mittelschule bin ich viel mutiger geworden, weil ich das System und die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen aus erster Hand kennengelernt habe. Heute kann ich gezielt Systemveränderungen anstoßen.
Inwiefern profitierst du von dem Social Leadership Programm in Deinem heutigen beruflichen Alltag?
Zum einen konnte ich ein unglaubliches Skill-Set aufbauen, zum anderen bietet das Netzwerk der TFA Fellows und Alumni einen wertvollen Zugang zu Partnerschulen. Ich habe gelernt, wie ich als externer Akteur in Schulen wirksam werden kann – beispielsweise für SCHiLFs oder Workshops.
"Das Besondere an der TFA-Community? Das starke Zugehörigkeitsgefühl und der gemeinsame Antrieb, die Welt ein Stück besser zu machen."
Wie nutzt Du das Netzwerk von Teach For Austria? Was ist das Besondere an der TFA Community?
Ich kenne mittlerweile fast jeden Turnsaal in Wien – auch dank der Fellows und Alumni, die unser Life-Goals-Begleitprogramm in die Schulen gebracht haben. Das Netzwerk ist unglaublich wertvoll, weil es den Zugang zu Schulen erleichtert und nachhaltige Veränderung ermöglicht. Das Besondere an der TFA-Community? Das starke Zugehörigkeitsgefühl und der gemeinsame Antrieb, die Welt ein Stück besser zu machen. Die Menschen in der Community sind einfach leiwand.
Was sind Deine Pläne für die Zukunft?
Meine Vision: Jede Lehrkraft in Österreich vertraut in die eigene Lernfähigkeit – auch im hohen Alter. Mit der Life-Goals-Methode möchte ich das spürbar machen. Denn wenn Lehrkräfte von ihrer eigenen Lernfähigkeit überzeugt sind, verändert sich ihr Blick auf die Kinder, Jugendlichen und ihre persönlichen Herausforderungen im oft belasteten Schulsystem. Ich möchte Mut und Hoffnung verbreiten – das braucht unsere Gesellschaft.
Was würdest Du jemandem raten, der überlegt, am Social Leadership Programm von Teach For Austria teilzunehmen?
Mach es! Es wird herausfordernd, aber es wird auch die wichtigste und lehrreichste Erfahrung deines Lebens. Nichts ist erfüllender, als Lebenswege positiv zu beeinflussen und Potenziale zu entfalten. Dabei wirst du so viele wunderbare Menschen kennenlernen, die du ins Herz schließen wirst. Go for it!
Vielen Dank für das Gespräch, lieber Ingo!
— März 2025